Küsschen, Küsschen

Diesen Titel trägt eine Sammlung von makaberen Kurzgeschichten von Roald Dahl aus dem Jahr 1960. Darum geht es hier aber nicht – obwohl lesenswert sind diese Geschichten allemal.

Titelgeber dieses Posts ist der Großvater einer Kommilitonin von mir, die für eine Prüfungsleistung unseres Studiums versuchte der Liebe unter Laborbedingungen auf die Spur zu kommen. Dabei zitierte sie auch ihren Opa Heinz, der den Kuss beschrieb als   „durststillend, nahrhaft und würzig“ . Als ich das las, dachte ich sofort an meinen Küchenblog und holte mir von Ulrike die Erlaubnis, dieses Zitat als Steilvorlage für den nächsten Beitrag  nutzen zu dürfen.

Als erstes kann mir natürlich die Ferrero-Werbung in den Sinn,  wonach man guten Freunden ein Küsschen gibt. Schaut sie Euch unbedingt an, damit ihr auch einen Aufreger des Tages habt. Nur schöne Menschen, jung, gut geschminkt und gut drauf und alle wild auf Ferrero-Küsschen, um sich dann am Ende abzuschlabbern. Mal abgesehen davon, dass ich die Kombination von Nuss und Schokolade nicht mag, finde ich diese Werbung einfach zum Pickel kriegen. Meine Freunde kriegen jedenfalls keine solchen Küsschen von mir – sorry.

Mir fielen dann natürlich die Negerküsse ein – als ich mit diesen aufwuchs, war man noch nicht politisch korrekt in der Bezeichnung. Ein Negerkuss war aus klebriger Zucker-Eiweißmasse mit einem Waffelboden und einem Schokoüberzug.  Manche nannte sie  auch Mohrenköpfe, was es politisch nicht korrekter machte.  Inzwischen heissen sie  Schaumküsse, oder hier im Frankfurter Raum nach der Firma, die sie herstellt, „Köhlerküsse“.  Da müssten ja jetzt eigentlich die Köhler beleidigt sein – aber gibt es heute überhaupt noch Köhler??

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(Nein, ich sage jetzt nix zur Diskussion um zwei Frankfurter Apotheken, die seit Jahren den Mohren in ihrem Namen tragen, und den jetzt ändern sollen -macht Euch dazu selbst ein Bild und bildet Euch eine Meinung, wenn ihr wollt.)

Ich kenne Leute, die diese Mohrenköpfe am liebsten zwischen den zwei Hälften eines Weißmehlbrötchens zerquetschen und dann andächtig verzehren, was mir immer kulinarischen Schüttelfrost verschafft. Aber da sie sonst sehr nette Menschen sind, kann ich darüber hinwegsehen, indem ich mich einfach abwende und weiter mit ihnen befreundet bleibe. Im Internet existieren in den einschlägigen Kochforen reichlich Rezepte mit diesen Mohrenköpfen. Zum Teil wird nur die Creme verwendet, zum Teil auch die Waffel. Hier gibt es jetzt keinen Link, sucht selbst, wenn Ihr  sowas wirklich machen wollt.

Viele Backrezepte firmieren unter der Bezeichnung „Küsschen“ Wahrscheinlich weil sie zuckersüß sind. Da Backen aber  nicht mein Ding ist, bin ich denen nicht weiter nachgegangen, denn bei meinem Rumgesuche nach „Kussrezepten“ stieß ich auf eine sehr vielversprechende Spur, die aufgrund der etwas anderen Schreibweise auch noch mein humoristisch-kindliches Gemüt erfreut: Couscous

Das passt auf jeden Fall zur Beschreibung von Opa Heinz: Nahrhaft ist es  bestimmt,  würzig kann man es immer machen. Durststillend ? Naja, dann trinkt man eben was dazu. Passend zum Thema habe ich mich aber ausnahmsweise mal für eine süße Variante entschieden:

Geeistes Orangen-Couscous mit Erdbeersauce:

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Ich habe 150 ml Orangensaft mit 5 Kardamonkapseln und 30 gr. Honig aufgekocht und dann von der Platte gezogen. Anschließend habe ich 60gr. Couscous einrieseln lassen und untergerührt. Das ganze lässt man abkühlen. Inzwischen putzt man 300 gr. Erdbeeren und schneidet sie in Stücke , dabei aber vier schöne Erdbeeren zurückbehalten. Die Erdbeerstücke werden mit 2 Eßl. braunem Zucker und 5 Eßlöffel Erdbeerlimes, oder Portwein oder Orangensaft aufgekocht und ein paar Minuten köcheln gelassen, danach pürieren und beiseite stellen. Jetzt 200 ml süße Sahne aufschlagen und unter das abgekühlte Orangencouscous heben. Das in 4 Portionsgläser füllen, oder in eine entsprechende Schale und ab in den Tiefkühler für mindestens 4 Std. Kurz vor dem Servieren 3 Eßlöffel Vanillepuddingpulver in kaltem Wasser glattrühren und in die inzwischen wieder aufgekochte Erbeersauce einrühren, nochmal aufkochen lassen. Jetzt die Förmchen kurz in heißes Wasser stellen und das Eis mit einem spitzen Messer herauslösen, oder aus der großen Form stürzen und in Stücke schneiden.  Ein wenig Puddingsauce darüber verteilen – den Rest in einer Schüssel extra dazu servieren. Mit Erdbeere vierteln oder -hälften dekorieren und je nach Geschmack Minze oder auch Basilikum als Deko verwenden. Ein paar Schokoladensplitter schaden auch nicht oder Brösel von einem Schokoladenkuchen. Wer es abgefahrener mag, gibt ein paar Spritzer Schokoladenbalsamico dazu.

Das ganze funktioniert auch mit Milch statt O-Saft und auch die Früchte kann man variieren.

Viel Spaß beim Experimentieren und frohe Ostern wünscht Euch

die Küchenmarie

P.S. Auch hier gibt es noch was zu lesen: https://frankfurterschreiblust.wordpress.com

 

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8 Kommentare zu „Küsschen, Küsschen

  1. Guten Morgen liebe Anne,
    mir kam gleich ein Baiser in den Sinne, doch ein Kuss-Kuss trifft es genauso gut. Den ich salzig sehr mag, doch in deinem Rezept ruft er Assoziationen von Milchreis hervor, um den ich einen großen Bogen mache … Da helfen auch viel Sahne oder Eis nicht, das mouth feeling zu verschleiern. Sieht aber verdammt hübsch aus. Dafür gehören Ferrero-Küsschen zu den wenigen Schoko-Süßigkeiten, die ich gelegentlich mal nasche – gerade wegen des Nüsschen. So hat jede ihrs! Hab ein sonniges Osterfest, herzliche Grüße, Amy

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    1. Liebe Amy, zugegeben, ich finde auch, dass diese süße CousCous Variante besser aussieht, als sie (mir) schmeckt. Das liegt sicher daran, dass ich nicht wirklich zur Süßmaulfraktion gehöre und es Nachtisch nach einem guten Essen bei mir nur deshalb gibt, weil ich weiß, dass die Gäste drauf warten. Von mir aus könnte mit dem Käse Schluß sein. Baiser ist auch eine gute Idee, das ist mir nicht eingefallen. Ich werde mich mal dran versuchen.
      Auch Dir ein frohes Osterfest
      Liebe Grüße
      Anne

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  2. Liebe Anne,
    also, räusper, ich oute mich jetzt, ich gehöre auch zu der Spezies, die die Sache mit dem Brötchen und dem Schokokuss tun …Aber, schon lange nicht mehr, früher, ganz viel früher war das das Highlight in der Schule auf dem Weg nach Hause…
    Jetzt ist es raus…;-)
    Lese deinen Blogbeitrag gerade in Berlin, unterm Alex,
    liebe verregnete Grüße!

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    1. Liebe Mia, das ist schon ok mit dem Negerkussbrötchen – selbst wenn Du jetzt noch Rückfälle erleiden solltest. Wir bleiben weiter befreundet!!! Wieso bist Du schon wieder in Berlin? Ist doch noch kein Präsenzwochenende, oder hab ich was verpasst? Ich wünsch Dir da ganz viel Spaß
      Liebe Grüße
      Anne

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  3. Liebe Anne,
    deine Küsschen, Küsschen habe mir an diesem grauen Samstagmorgen gleich ein großes Lächeln aufs Gesicht gezaubert! Ferrero für gestylte Freunde und schaumige Köpfe können einpacken, wenn ein durststillender, nahrhafter und würziger Couscous in Aussicht steht – was für eine genial witzige Wortklangentdeckung von dir!
    Das Bild vom fruchtigen Couscous lässt mir das Wasser im Mund zusammen laufen – das Rezept möchte ich unbedingt mal ausprobieren.
    Vielen Dank für diesen humorigen und belebten Beitrag!

    Herzliche Grüße
    Ulrike

    PS: Ich habe Roald Dahls Küsschen-Buch als Jugendliche gelesen und eine Geschichte daraus ist mir bis heute in gruseliger Erinnerung: Eine Gruppe wohlsituierter Leute mit Pelzmantel und weißen Damenhandschuhen (die sicher auch Ferrero-Küsschen verteilen) besichtigen einen Schlachthof und enden zwischen den Schweinen am Haken – sehr nahrhaft für die Fantasie.

    PPS: Es freut mich sehr, dass die Kuss-Worte meines Opas auch kulinarisch so inspirierend sind. Habe deinen Beitrag mit Freude auf meinem Blog verlinkt.

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  4. Liebe Ulrike,
    diese Grusel-Geschichte von Roald Dahl passt ja irgendwie auch auf den Küchenblog, so makaber das ist.
    Es freut mich sehr, dass Du Spaß hattest mit dem Beitrag und dem Musenkuss, den ich quasi durch Deinen Opa Heinz empfangen durfte. Ich finde es immer wieder witzig, wie mich die Themen für diesen Blog finden. Irgendwie macht es klick und ich weiß, da klebt wieder ein Thema an mir dran, das geschrieben werden will. Und so war es mit dem Spruch von Deinem Opa. Danke dafür
    Liebe Grüße
    Anne

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  5. Liebe Küchenmarie,

    ich frage mich, wo lauert das Grauen im Couscous-Eis, denn darauf habe ich beim Lesen von Küßchen, Küßchen immer gelauert. Meist kam es erst im letzten Satz – deswegen die Idee: Verbirgt es sich etwa in der Erdbeersauce? Das ist nur so ein Gedankenblitzt, der sich durch mich durch geküsst hat, bis er hier in der Kommentarfunktion gelandet ist..

    Danke für diese Rezeptidee und das launige Drumherum !

    Alles Liebe

    Hedda

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    1. Liebe Hedda,
      Du bist auf der richtigen Spur: Es lauert ein bisschen in der Erdbeersauce, wenn die Erdbeeren nicht aromatisch genug sind, da schmeckt die Sauce nach nix, oder wenn man zu viel Puddingpulver nimmt, dann hat man einen ziemlichen Pampsch, also auf die Feinabstimmung kommt es an.
      Liebe Grüße
      Anne

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